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Das
revolutionäre
„Allein“

 

 

Kein Wort hat theologisch wie kirchengeschichtlich bis weltgeschichtlich und sogar kulturgeschichtlich solche Bedeutung gewonnen wie das Wörtchen „Allein“. Als Vokabel für sich genommen ohne eigene Bedeutung, doch urplötzlich an Dramatik nicht mehr zu überbieten. Es hat das Feuer eines endlich neu verstandenen  Glaubens in die Welt geworfen. Die Reformation Martin Luthers, die Entstehung der reformatorischen Kirchen in aller Welt. Die Erweckungsbewegungen des Glaubens, die zur Entstehung der methodistischen und gewiss auch der baptistischen Kirchen führten, alles beginnt mit der Neuentdeckung des Glaubens als das „gesetzesfreie Evangelium“ des Weltmissionars Paulus. Heiden können Christen werden. Atheisten können Christen werden. Kirchenmitglieder können Christen werden. Die Tür steht weit offen, geht doch hindurch. „Allein durch den Glauben.“ „Glaubstu hastu.“ (Martin Luther)

 

Ein kleines Wort bekommt Macht. Weil der Reformator Martin Luther bei seiner Übersetzung des Römerbriefes  das Wort „allein“ in einem Vers des 3. Kapitels übersetzte. Eigentlich hinzusetzte, es steht nicht im griechischen Urtext, doch war es im Geist des gesamten Abschnittes inhaltlich voll berechtigt: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke - allein - durch den Glauben.“ (Vers 28) Wir sind also davon überzeugt, dass der Mensch wieder mit Gott in Ordnung kommt ohne jede eigene religiöse und moralische Leistung, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus.

 

Das „allein durch den Glauben“ setzt sich gewaltig fort in der Geschichte des Glaubens in der Tradition der Reformation: Solus Christus, allein durch Christus. Sola gratia, allein durch die Gnade. Sola fide, allein durch den Glauben. Sola scriptura, allein vermittelt durch die Schrift. Das sind die Basiswahrheiten des christlichen Glaubens. Keine trockene Dogmatik, sondern Wegweiser für den existentiell gelebten Glauben.

 

Wer es hört und begreift, darf tief aufatmen und sich freuen. Christus allein hat alles getan, was meine Beziehung zu Gott und so auch zum Sinn meines Lebens wieder ganz in Ordnung bringt. Ich kann und muss nichts dazu tun, es ist allein die Gnade, die uns rettet. Das darf ich glauben. Weil es in der Schrift geschrieben steht. Ich lege die Hand auf die Bibel und sage glücklich: Amen, das ist wahr. Die Summe heißt: Durch Christus ist längst vor uns alles für uns geschehen, worauf wir uns im Leben und im Sterben ganz gewiss verlassen können. Vielleicht wird uns so das schwere Wort „Rechtfertigung“ etwas verständlicher. Doch wir glauben ja nicht an Wörter und an Thesen, sondern an Jesus Christus, unseren Herrn, wir Christen. Wie er in der heiligen Schrift bezeugt wird.

 

Aber muss ich denn gar nichts tun? Macht dieser Glaube nicht faul?

Keinesfalls! Wenn es einer so versteht, hat er nichts kapiert. Wer hier faule Neigungen verspürt, der lese Römer 12, 1-2. Der Glaube wird in der Liebe zur Energie. Ich muss nichts tun, um dadurch mit Gott in Ordnung zu kommen. Wer kann das denn?  Doch weil ich durch Christus an seinem Kreuz mit Gott in Ordnung gebracht worden bin, kann ich jetzt in Freiheit Liebe üben, Verantwortung übernehmen, Zeugnis geben, in einer Gemeinde dabei sein, auch in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Und mich meines Lebens freuen.  


Ein Christ tut nicht gute Werke, um dadurch selig zu werden, er tut gute Werke, weil er selig geworden ist. Christen können und wollen engagiert für andere leben und im Geist ihres Herrn präsent sein, wo Gott sie gebrauchen will. Der Glaube ist ein Geschenk, das durch das Evangelium und den heiligen Geist in unser Leben einkehrt. Wenn das Heil an der Tür unseres Lebens ankommt, geht es um unsere persönliche Grundentscheidung: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.“ (Johannes 1, 12)

 

Wer das liest und begreift, kann sein Leben mitten im Leben neu beginnen. Jetzt.

 

 

 

Johannes Hansen.




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