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Die
Gesundheitsreligion

 

 

„Und Hauptsache gesund“, beendet Onkel Egon seine Gratulation beim Geburtstag von Tante Olga und fügt noch hinzu: „das ist doch das Wichtigste im Leben.“ Alle nicken beifällig.

 

Das ist die einfältige Form einer gesellschaftlichen Entwicklung, die sich jetzt gefährlich ausbreitet. Beide großen Kirchen haben gerade die Aktionswoche „Gesundheit – höchstes Gut?“ durchgeführt. Die ARD hat fast gleichzeitig ihre Themenwoche „Mehr Zeit zu leben“ gehabt. Ob Kerner, Beckmann, Kika, extra ausgesuchte Filme, alles wurde zum Thema in die TV-Kiste gepackt. Offenbar ging es vor allem um das nach Jahren längere Leben. Die Frage, wie mehr Leben ins Leben hinein kommt, erwartete jedenfalls ich vergebens. Wolf Biermann hat einmal in linder Verzweiflung gesungen: „Das kann doch nicht alles gewesen sein, das bisschen Sonntag und Kinderschrein … es muss doch noch Leben ins Leben hinein.“ Er meinte keinen Gesundheitswahn, der sich selbst vor Klärungen im Leben drückt, sondern wirklich Inhalte. Er kennt die Bibel, das lässt hoffen.

 

Gesundheit als Motor des längeren Lebens? Wer möchte nicht gesund sein und „in Ehren“ alt werden, doch wenn hier ein materialistisches Denken um sich greift und die Gesundheit zum Produkt wird, ist Alarm angesagt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Bischof Huber sprach von einer „heilsamen Relativierung“ der Glücksversprechungen der Wellnes und Gesundheitsindustrie. Gesundheit und Fitness dürften nicht zum Religionsersatz werden. Doch hat das gewiss schon zu einer Art „Gesundheitsreligion“ geführt. Sie ist sehr teuer und total diesseitig auf Anerkennung nach außen und Selbstbestätigung nach innen ausgerichtet.

 

In der Wochenzeitung Zeit erschien ein großer Aufsatz des Bestsellerautors Manfred Lütz. Der Arzt und Psychotherapeut behauptet: „Während der mittelalterliche Mensch seine diesseitige Lebenszeit plus ewiges Leben vor sich hatte, ist der Glaube an ein Jenseits den westlichen Gesellschaften zunehmend abhanden gekommen.“ Sehr nachdenkenswert. Gut, dass Lütz nicht nur von einem Jenseits spricht, was für mich eher eine physikalische Dimension ist, sondern vorweg das christliche Wort vom „ewigen Leben“ gebraucht. „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ So hat Christus die Menschen zum Glauben gerufen. Und dazu noch: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Nein, keine Flucht ins Jenseits ist angesagt, dieser antiquarische Vorwurf gegen den Glauben an den Mensch gewordenen Sohn Gottes. Christen leben bewusst in dieser Welt, aber sie sehen den Horizont aufleuchten, hinter dem „Das Leben“ weitergeht. Und sie sind dankbar für ihre Gesundheit.

 

Manfred Lütz hat seine These weitergeführt: „Dem heutigen Menschen bleibt nur noch unendlich weniger Lebenszeit übrig, sein begrenztes Leben auf dieser Welt.“ Und in dieses pumpt er nun alles hinein, was ihm an Ewigkeit verloren gegangen ist. So entsteht eine Religion der Anbetung von Schönheit, sexueller Erfüllung, sportlicher Leistungen, Anerkennung im Beruf und in der Clique. Nein, das muss nicht sein. Diese „Gesundheitsreligion“ kann nicht erfüllen, was sie verheißt. Die Verbindung mit Jesus Christus führt uns schon hier in das „ewige Leben“, das unser Herz und unseren Verstand erfüllt und uns zu Gottes Stunde in den Himmel bringt.

 

Übrigens, ich wünsche ihnen eine gute Gesundheit.

 

 

 

Johannes Hansen




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