Die Kunst des Blumengießens
Und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
1. Korinther 12, 13
»Die Wüste wächst.« Nietzsche kann man in dieser Hinsicht nie widerlegen. Und was gibt's sonst noch Neues? Alle Tage Blumen gießen.
Jetzt sind die Pfingstrosen dran. Man braucht sie für die Prozession. Ihre Üppigkeit ist ihr Verhängnis. Wenn sie erst mal am Boden liegen und alle ehrfürchtig darüber getrampelt sind, ist ihr Einsatz beendet. Auch das ist ein Leben.
Die Gaben des Heiligen Geistes lassen sich weder auf Rendite noch auf Effektivität kontrollieren. Vieles wirkt wie Streuverlust, und doch haben ein paar Menschen etwas davon gehabt. Trotzdem ist es schade, wie wenig wir diesen Gaben zutrauen. Die Wüste wächst, aber nie ohne unser Zutun.
Was die Zimmerpflanzen angeht, gilt die Faustregel: »Wenn sie blühen, brauchen sie mehr.« Alle Tage muss man schauen, dass der Boden nicht trocken wird. Wenn sie nicht blühen, kann man sie ein bisschen vernachlässigen. Dann gilt einmal pro Woche. Die Sonntagspflicht. Das genügt aber nur, wenn sie nicht blühen. Und wenn das immer so bleibt, blühen sie nie. Oder nur einmal und nie wieder.
»Die Taufe genügt jedenfalls nicht, falls Sie das meinen!«
Michael Graff

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