Vergegenwärtigung
Pfingsten –
Gottes Gegenwart in unserem Leben
Es gibt Begegnungen, die man nie mehr vergisst. Ich stand vor dem Schaufenster einer Buchhandlung in Wuppertal. Im Fenster hing ein kleines Plakat mit dem typischen Bild von Ernesto Cardenal, dem Priester und Dichter aus Nicaragua. Er war mir durch Bücher und Fotografien schon bekannt, doch eben nur auf dem Papier. Im Laden standen wir plötzlich voreinander. Ich fragte: „Sind Sie es wirklich?“ Er sagte: "Ich bin Ernesto und wer sind Sie?" Es folgte ein engagiertes Gespräch, das er in fließendem Deutsch führte. Ich kaufte mir eines seiner Bücher, er schrieb mir eine sehr persönliche Widmung hinein.
Was war geschehen? Ich kannte ihn in der "Papierform", sein Bild und Bücher von ihm, doch nicht direkt, nicht face to face. Nun aber sehr persönlich, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Es war so etwas wie eine "Vergegenwärtigung" geschehen. Also eine innere geistige Erfahrung, die mich bis heute begleitet.
Professor Helmuth Thielicke, der brillante Hamburger Theologe und Prediger, überschreibt in seiner Dogmatik das Kapitel Heiliger Geist: "Der heilige Geist als Macht der Vergegenwärtigung." Es wird etwas in die Gegenwart gerückt, was viel mehr ist als die Begegnung mit einem Menschen. Aus der "Papierform" des Glaubens wird durch den heiligen Geist eine Erfahrung der Gegenwart Gottes im Leben eines Menschen. Es kann auch eine Gemeinde sein, die wach wird für den lebendigen Jesus Christus.
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