Ostern hat Folgen:
Wiedergeboren
Wiedergeboren - so nennt der Apostel Petrus die Umkehrung aller Dinge im Leben eines Menschen und der Christen insgesamt: "Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten". (1. Petrus 1, 3) In der berühmten Nikodemus-Geschichte sagt Jesus zu dem klugen Theologen: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, anders kann er das Reich Gottes nicht erkennen." (Johannes 3,3) Die Wiedergeburt ist ein Wunder Gottes mitten im Leben eines Menschen. Er wird hineingezogen in das Geschehen der Auferstehung Christi von den Toten.
Kann der Mensch etwas dazu beitragen? Nein, hier kommt alles von Gott her zu uns. Niemand hat sich selbst gezeugt und selbst geboren, so ist es auch bei dieser Geburt. Gott ist der Handelnde, doch er handelt an uns. Durch die Wirkung der Auferstehung Christi und durch den erneuernden Geist, den Gott uns schenkt, entsteht eine total neue Lage des Menschen vor Gott.
Also keine Forderung, jedoch eine Ermutigung. Wir können Gott darum bitten und er wird uns gerne erhören. „ Mein Gott, ich bitte dich um eine gründliche Erneuerung meines Lebens durch deinen Geist." Da erblickt ein kleiner Mensch das Licht der neuen Welt, er ist geboren. Wir sind dann also „wie neugeborene Kinder." (1. Petrus 2,2) Nicht kindisch ist gemeint, sondern ein erwachsener Mensch darf sein Leben mitten im Leben noch einmal neu beginnen. Vielleicht ist er bereits 60 Jahre, jünger nach Jahren wird er nun nicht mehr, doch er begreift sein Leben neu, sieht alles unter einem neuen Vorzeichen. Er wird sterben wie alle Menschen, doch ist nun das Grab nicht die Endstation seines Lebens, sondern der Durchgang in das ewige Leben. Das Evangelium des Johannes spricht vom „ewigen Leben", wenn es den Glauben eines Menschen an Jesus Christus meint. Es beginnt also weit vor dem Sterben und wird auch durch das Sterben nicht beendet. Das ist die „lebendige Hoffnung", von der Petrus wohl schon in den sechziger Jahren nach Christi Geburt aus Rom geschrieben hat. Er war ein Mutmacher der Christen in der wohl gerade beginnenden heftigen Verfolgungszeit unter dem Kaiser Nero.
Wir erfahren die Erneuerung vielleicht zuerst als Sehnsucht, doch dann auch als konkrete Erfahrung. Der Dichter Manfred Hausmann ging mit seinem Vater in einen Gottesdienst, in dem Professor Karl Barth predigte; er tat es aus Höflichkeit gegenüber seinem Vater. Doch da geschah es, was er später als ein „Umundumgekehrtsein" beschrieb. Also wirklich als Revolution seines Lebens. Er hatte weder am Glauben seines Vaters, noch an einer Predigt dieses angeblich berühmten Schweizer Theologen sonderlich Interesse. Doch durch die kehlige Stimme des Predigers hindurch erreichte ihn der Ruf Gottes und stellte alles in seinem Leben auf den Kopf.
So kann es sein, doch auch still und ganz leise. Gott ist voller Ideen, wenn es ihm um die Erneuerung unseres Lebens geht. Manchmal war es auch eine starke Erschütterung, von der ein Mensch erfasst wurde und in seiner Not rief er Gott an, der ihn erhörte und mit dem ganz neuen Geist beschenkte. „Ich fühle mich wie neugeboren", sagte mir jemand, der einen schrecklichen Autounfall, nachfolgende Operationen und eine langwierige Rehabilitation hinter sich gelassen hatte und nun wieder gesund und voll arbeitsfähig war.Es gibt manchmal auch ohne Unfall einen Lebens-Crash, der jemand aus der Gleichgültigkeit herausholt und er findet zurück zu Gott.
Doch gibt es auch fröhliche Ursachen. Eine Ärztin, die nach einer langen Wartezeit gerade Mutter geworden war, bat mich um Hilfe zum Beten. Sie wolle so gerne mit ihrem Kind beten, wie es die Mutter mit ihr getan hatte und sie konnte es (noch) nicht. Das war ihr Weg in die Wiedergeburt. Die Freude über das Kind und die Sehnsucht beten zu können. Ihre Sehnsucht nach dem Kind und nun ihre Sehnsucht nach Gott fanden Erfüllung.
Das Wort „Wiedergeburt" bezeichnet nicht eine besondere Form des Glaubens, es ist eines der Worte für den ganz normalen Glauben eines Christen. Er glaubt an Jesus Christus, der ihn mit Gott in eine ganz neue Verbindung gebracht hat. Christus ist für ihn gestorben (Passion), Christus ist auferstanden (Ostern) und der Christ ist unsagbar dankbar, dass ihm die Schuld vergeben ist und seinem Leben eine total neue Perspektive gegeben wurde. Dieser Glaube ist durch den Heiligen Geist in seinem Leben zu einer erfahrbaren Kraft geworden.
Ostern hat Folgen.
Johannes Hansen

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