Ostern hat Folgen:
Nicht vereinsamen
Einsamkeit ist heute eine seelische Erfahrung vieler Menschen. Nicht nur älter gewordene Frauen und Männer, sondern gerade auch junge Leute fühlen sich einsam. Einsamkeit ist eine Art moderne Seelenkrankheit. Und leider die Ursache für manche Ersatzhandlungen. Zu viel Alkohol, falsche Freunde und die von Frank Sinatra besungenen Nachtläufer: „Strangers in the night ...." Schlafstörungen werden durch schnell eingeworfene Tabletten ausgetrickst. Die Telefonrechnungen steigen. Letzteres ist jedoch oft gut angelegtes Geld.
Es gibt auch Menschen, die sich nicht besonders einsam fühlen. Sie haben den ganzen Tag Betrieb um sich und in sich und wenn sie nach der Arbeit nach Hause kommen, gehen sie unter die Dusche und beginnen einen schönen Abend. Mit einem Buch und Musik oder einer interessanten Sendung im TV. Doch ihre Zahl dürfte die kleinere sein. Nicht jeder hält ein Single–Leben so leicht aus.
Christen erinnern sich gerne an ein Jesuswort, das seit Ostern hoch aktuell ist. Jesus hat es zu seinen Jüngern gesagt, um sie für die Zukunft vorzubereiten. „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen." (Matthäus 18,20)
Es geht also um die unsichtbare Anwesenheit Jesu dort, wo man gemeinsam an ihn denkt, von ihm redet und zu ihm betet. Gemeint ist die Gegenwart von Jesus im heiligen Geist. Keine Spinnerei, sondern Urbestand des Glaubens der Christen. Selbstverständlich kommt Jesus durch seinen Geist auch zu jemand, der ganz allein irgendwo sitzt und vor sich hin kümmert. Ein Ruf genügt und er ist da.
Anrufe nennen wir unsere Telefongespräche. Wie heißt die Telefonnummer Gottes? fragte mich ein junger Kerl, ich wusste sie nicht - da sagte er: 5015. Und erzählte er mir, dass er den Psalm 50, Vers 15 meinte: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen." Zu primitiv? Vielleicht zu naiv? Und doch für viele die oft letzte Möglichkeit. Manche kennen auch diese Nummer nicht, oder haben den Mut aufgegeben. Doch Gott ist ständig online, bei ihm ist nie besetzt. Mancher Ruf scheint nur gegen die Zimmerdecke oder in das Kopfkissen zu gehen, doch eines Tages kann sich überraschend zeigen, dass Gott sehr gut hört und auf seine Weise auch erhört. Doch seinen wir ganz nüchtern, das Gebet ist kein Automat: „Geld rein, Drops raus." Da höre ich gerne auf Dietrich Bonhoeffer, den Märtyrer unserer Kirche im 20.Jahrhundert: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, doch alle seine Verheißungen."
Es ist ein großes Geschenk, dass Christen sich „in seinem Namen" treffen und diese neue Art der Gemeinschaft entdecken können. Übrigens tun sie es ganz selbstverständlich. Sie reden nicht dauernd darüber, sie gehen davon aus.
Das passiert nicht nur in Gottesdiensten, sondern mitten im Alltag. Wenn sich drei Frauen bei Karstadt an der Grabbelkiste für Herrensocken ( 3 Paar für 6 Euro ) zufällig treffen und als Christinnen ganz normal über die Gemeinde und den Glauben ins Gespräch kommen, dann sind sie „Gemeinde Jesu Christi" an der Grabbelkiste bei Karstadt. Und wenn jemand aus seinem depressiven Einbruch spät abends noch einen Freund per Telefon anruft und ihn um ein entlastendes Gespräch und um ein Gebet bittet, dann sind die Zwei „im Namen Jesu" versammelt. So einfach und naiv sehe ich es.
Besonders wichtig wird dann natürlich der Gottesdienst, oder ein „Hauskreis", in dem sich Christen treffen. Das sind kleine Gruppen, die sich in den Wohnungen rundherum, mal hier mal dort treffen, gemeinsam einen Abschnitte der Bibel oder auch ein Thema besprechen. So begannen die Urchristen ihre Gottesdienste. Nicht in Domen, sondern in Hausgottesdiensten. Und das alles, weil Jesus Christus lebt. Die Glaubenden rechnen mit seiner stillen und starken Anwesenheit. Er hat es versprochen. Übrigens entstehen so auch ganz neue Kontakte und Freundschaften. Manchmal sogar Ehen... Doch es gibt auch fröhliche Single, putzmunter und noch fromm dazu, supernormal...
Ostern hat Folgen.
Johannes Hansen

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