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Ich glaube, also bin ich ein Lachender und ein Lobender

 

Wie kommt das eigentlich, dass es in den Kirchen immer so todernst zugeht? Nicht überall, aber der ernste Zug überwiegt.

Nach einem Gottesdienst, in dem wir viel gelacht hatten, sagte mir ein Kirchenvorsteher: »Bei uns ist fast immer Volkstrauertag. Alles, was mit Gott zusammenhängt, ist ganz, ganz ernst!«

Ich fragte: »Wie kommt das denn? Wenn wir Christen nichts zu lachen haben, wer kann denn dann noch lachen?«

Darauf hatte er keine Antwort.

In einer anderen Gemeinde meinte ein Mann nach dem Gottesdienst zu mir: »In der Kirche wird nicht gelacht. Das ist nicht erlaubt. Das duldet der Geist nicht!« Sagte es und ging sichtlich empört weg.

Wer den Film »Der Name der Rose« gesehen hat, erinnert sich noch: Da ging es um den Streit, ob der Sohn Gottes auf der Erde gelacht habe. Ich kann das überhaupt nicht anders denken, denn wer weinen kann, der kann auch lachen. »Ja«, sagte mir jemand, »aber dann müsste das doch auch in der Bibel stehen?!« Da bin ich anderer Ansicht: Es gibt Dinge, die sind so selbstverständlich, dass man sie nicht extra schreiben muss. Es steht ja von Jesus auch nicht in der Bibel, dass er sich die Haare gekämmt oder die Füße gewaschen habe. Und das hat er bestimmt getan.

Aber die Sache liegt tiefer. Das hat mit der Annahme zu tun, dass im Lachen etwas Zerstreuendes und Unheiles liege, dass der, der lacht, immer über etwas lacht und damit jemanden oder eine Sache lächerlich macht. Der lächerliche Mensch ist der zerstreute und unheile Mensch, so nahm man das früher an, und darum durfte in den Klöstern zwar geschmunzelt, aber nicht laut gelacht werden. Das galt als unbeherrscht und war ein Zeichen für einen zerstreuten Menschen.

Sicherlich gibt es ein Lachen, das nicht aus der Freude, sondern aus der Schadenfreude kommt, das den anderen nicht würdigt, sondern entwürdigt, nicht hell macht, sondern beleidigt und verdunkelt. Wir alle kennen das und haben wohl selber dazu beigetragen, dass andere durch unser Lachen nicht fröhlicher und mutiger, sondern trauriger und mutloser wurden. Insofern ist die Frage nach dem Lachen so unbegründet nicht. Und es gibt bei manche Versuche, die Leute auf eine Weise zum Lachen zu bringen, die mehr weh- als wohltut und in die Nähe der Peinlichkeit rückt.

Aber die Befreiung von Schuld und Einsamkeit, von dunklen Bindungen und Verleumdungen führt immer auch zum herzlichen und befreiten Lachen.

Die Ostkirche kennt bis heute das »Osterlachen«, wo angesichts der Auferstehung Jesu der Teufel ausgelacht wird, weil er nun besiegt worden ist. Ich finde das Osterlachen wunderbar.

»Die Welt ist mir ein Lachen. ..«, dichtete Paul Gerhardt (in seinem Lied »Auf, auf, mein Herz mit Freuden«).

In diesem Lachen atmet die vom Tode gequälte Menschheit auf. Das Letzte ist nicht der Tod, sondern das Leben, der Letzte ist der auferstandene Herr, der uns zu sich holen wird.

Jesus selber ist der »Grund ewiger Freude« (Evangelisches Kirchengesangbuch Nr. 53). Wo wir uns freuen, da wird auch gelacht. Im Psalm 126 heißt es: »...dann werden wir sein wie die Träumenden, dann wird unser Mund voll Lachens sein... «

In jedem Lachen, wenn es nicht gerade gemein ist, verbirgt sich Lebensfreude. Die Christen haben einen Herrn und Erlöser, der zum Leben befreit, zur Freude und damit zum Lachen. In diese Freude gehört der Lobgesang der Kirche: Was ist in den 2000 Jahren nicht schon alles gesungen worden in der Gemeinde Jesu?! Was haben die Kirchen zu allen Zeiten nicht alles an hinreißenden Gesängen hervorgebracht, bis zur Stunde! Was wären die Klöster ohne die Gesänge und die Liturgie? Was wäre die Reformation ohne die Lieder Luthers und Paul Gerhardts? Was wären die Erweckungsbewegungen der Neuzeit ohne die wunderbaren Choräle und Hymnen der Gemeinden?

Man kann sich die geistlichen Bewegungen der Gegenwart gar nicht vorstellen ohne die gewaltige Vielfalt moderner Lieder. Das alles gehört zur Freude und zum Lachen der Kirche Jesu. Und dabei wird es bleiben bis zum letzten Tag. Es ist noch nicht heraus, ob wir nicht im Himmel in ein noch nie gehörtes Lachen der »oberen Schar« einstimmen werden, »dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein«.

Zu dieser Freude gehört: Dass wir uns nicht so ganz ernst nehmen. Dass wir nicht immer meinen, es läge alles an uns, und wenn etwas schief ginge, ginge die Welt oder das Reich Gottes unter. Nein: Es gehört zum Glauben an diesen Herrn, dass man über sich auch einmal lachen darf, dass man Fehler einstecken und Fehlentscheidungen ertragen kann. Der Glaubende braucht keine Stasi für sich, und die Gemeinde Jesu braucht keine Stasi für die anderen. Wir leben aus der Erlösung Jesu und glauben, dass er sein Werk in Ewigkeit vollenden wird. Was heute nicht gelingt ‑warten wir ab; er wird es morgen völlig anders gelingen lassen.

Ein Amtsbruder fragte mich einmal: »Weißt du, warum Engel fliegen?« Ich dachte nach und stotterte etwas dümmlich herum. Da antwortete er lachend: »Sie nehmen's leichter!«

Ich glaube, also bin ich ein lobender und ein lachender Mensch. Der Grund liegt bei meinem Herrn!

 

Klaus Vollmer

 

 

 




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