Das Staunen – der schönste Weg zu Gott
Petra C. Harring
Einer der schönsten Wege, sich Gott zu nähern ist das Staunen. Vor kurzem waren wir am Gardasee – Italien, schönes Wetter und wunderbare Urlaubsstimmung. Wir schlendern durch ein ehemaliges Fischerdorf. Am Hafen steht eine kleine Kirche. Neugierig gehen wir hinein und schauen uns um. An den Wänden haben Restauratoren mittelalterliche Fresken freigelegt. Und eines zieht mich in seinen Bann: Aus dem Schoß der braunen Erde kommt mir Christus entgegen. Ganz entspannt, in hellblauer Sommerkleidung und mit ganz offenem Blick, wachen Augen, fast als kommt er jetzt auf mich zu, freundlich und gleich spricht er mich an. Ich stehe ganz versunken vor dem Bild. Da sind an den Rändern, viel zu klein, die vier Symbole für die Evangelisten, die Berichterstatter über das Leben Christi. Das was sie zu erzählen haben, das fasst gar nicht die Größe dieses Mannes, alles, was die Bibel über Jesus zu erzählen hat, das ist noch viel zu klein, viel zu wenig, um seine Größe wirklich festzuhalten, so scheint mir wollte es der Maler sagen. Irgendwann entdecke ich, dass auf diesem hellblauen Sommergewand ein Fleck das Muster stört. Nein, der Maler hat nicht vergessen, dass Christus am Kreuz gestorben ist, Blut ist durch die Kleidung gesickert, dort wo er den Stich in die Seite bekommen hat und auch seine Hände zeigen klein, aber doch unübersehbar noch die Wunden. So schön, jung, aufmerksam und wie zum Gespräch bereit habe ich noch keinen Christus gemalt gesehen, es hat mich tief berührt, was ich da gesehen habe, aber je länger ich mich in das Gesicht hineinversenke, weiter in den Gesichtszügen lesen will, desto mehr merke ich, es bewahrt sein Geheimnis, es ist eben nicht ein Portrait, eben nicht der Ersatz für ein Foto, wie genau der Maler sich Christus vorgestellt hat, sondern letztlich bleibt es allgemein. Die Botschaft des Malers: Hier findest du Christus nicht, es ist nur eine Erinnerung, wie er dir begegnet, freundlich, aufmerksam segnet er dich und dein Leben, aber suchen musst du ihn schon selber in deinem Leben.
Staunen, das sind die Momente, wo einem der Mund offen stehen bleibt, wo etwas direkt zu meinem Herzen spricht und mir das Herz aufgeht, weil ich staune, dass Gott so weit, so groß, so unendlich ist, auch in seiner Liebe. Es sind diese heiligen Momente im Leben, die ganz viele Menschen in der Natur erleben oder beim Musik machen, so als würden unsere Sinne weiter und für einen Augenblick könnten wir so einen Blick auf den Mantelzipfel Gottes erhaschen und schon dieser winzige Augenblick macht weit, innerlich groß und glücklich, er befreit und erlöst.
Dieses Staunen finde ich in einem meiner Lieblingslieder aus dem Gesangbuch. Der Dichter stellt mich mitten hinein ins Universum und tröstet mich: Sieh her, was Gott alles geschaffen hat, dann fängst du vielleicht an zu verstehen, was es heißt: Gott ist unendlich. Schau her und staune, in dem ganzen Universum mit Abermilliarden Gestirnen und Sonnensystemen, er wird dich nicht vergessen. „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege, des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuss gehen kann.“

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