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Schwein gehabt 

Schicksal 
Schwein gehabt, sagt jemand, wenn es gerade noch gut ging, Schicksal sagt er, wenn es daneben ging. So lebt der Mensch sozusagen zwischen Schwein und Schicksal. Offen gesagt, das ist keine besonders komfortable Sitzgelegenheit. Doch unzählige Menschen, auch im christlichen Kulturkreis, denken so und verhalten sich so. Flott fällt das Wort aus dem Munde, Schicksal. Wie es bei einem älteren Herrn meiner Bekanntschaft mit dem Stiftzahn war. 

Was ist eigentlich Schicksal? Ursprünglich kam es von schicken, geschickt werden, doch diese Herkunft ist längst dem nihilistischen Ton gewichen. Das Schicksal mag ich nicht sagen, weil es damit fast einen Personcharakter bekommt und einen Namen. Es ist heute offenbar irgendein unbestimmtes Etwas, das wie ein geruchloses Gas im Raume schwebt. Es hat jedoch durchaus eine uralte Tradition, nämlich im Götterglauben Ägyptens, Babyloniens, im Iran und später etwas nobler im Griechentum. Es hieß nicht Schicksal, doch hatten verschiedene Götter jeweils die Aufgabe, die heute dem Schicksal zugedacht sind. Sie bestimmten aus dem Hintergrund die Geschicke der Menschen und wurden mit Opfern, früh auch mit Menschenopfern, bedient und bestochen. Dass sie der Sippe oder einem Menschen doch ja gütig sein möchten.  

Das ist in Europa vorbei, doch ein gewisser „Schicksalsglaube“ schwebt immer noch in der Luft und in den Tiefen des Menschen. Den Wagen gegen die Garagenwand geknallt – Schicksal. Im Lotto nur um eine Zahl verloren – Schicksal. Die Prüfung geschmissen – Schicksal.  Die Ehe gescheitert – Schicksal. So spart man sich redliche Erklärungen und in vielen Fällen auch Klärungen in sich selbst.  

Offen gesagt, ein typisches, leicht zu hantierendes Fluchtwort, eine kostenlose Entschuldigung auch für eigene Dummheiten und Fehler. Oder etwas tiefer angesetzt, der bewusste Entschluss, sich seelisch und gedanklich nicht den Herausforderungen des Lebens auszusetzen. Die Absetzbewegung aus dem selbst verantworteten und nun misslungenen Lebenssinn. Ja, es gibt schwere Erfahrungen mit Unglücken, Katastrophen, Krankheiten und unerklärbarem Leiden. Dennoch sollte der bewusst lebende Mensch sie nicht einfach unter den Teppich kehren, auf dem dunklen Dachboden verstauen, sondern sich ihnen stellen, auch wenn es noch so schwer ist. Es kann schier blutige Tränen geben vor Leid und Verzweiflungen, doch die Flucht in den Dämon Schicksal wird nicht helfen. Nur die Flucht zu dem einen lebendigen Gott. „Lebendiger Gott“ sagt die Bibel jeweils in Distanz zu den selbst gemachten Göttern der Menschen. 

Gottvertrauen 
„Gottvertrauen“ hat eine völlig andere Qualität. Gott vertrauen bewegt sich in einer anderen Dimension. Ich habe dieses „Gottes–Wort“ aus dem Mund von Menschen gehört, bei denen ich es nicht erwartete. Es war bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels an den Philosophen Jürgen Habermas und als ein Journalist den damaligen Außenminister Joschka Fischer vor der Kamera fragte, wie er es denn aushielte mit den ständig neu aufbrechenden Kriegen. Fischer dachte kurz nach und sagte leise: „Es gibt ein uraltes Wort, das heißt Gottvertrauen.“ Er sagte nicht Schicksal. Bemerkenswert.  

Für den Christen bedeutet es: Ich habe mein Leben von Gott als Geschenk erhalten, doch stets auch als Aufgabe. Ich bin keine Puppe im Puppenspiel, die von oben an Bändern gezogen wird, sondern ein lebendiger Mensch, der an der Gestaltung seines Lebens voll beteiligt ist. Der Christ ist ein Mensch für andere. Er soll auch zu seinem eigenen Glück fröhlich leben, doch möchte er die insgesamt kurze Lebenszeit auf dieser Erde so nutzen, dass es „sich lohnt“. Nicht unbedingt kommerziell, wohl aber existentiell. Also bewusst dankbar, bewusst fröhlich, bewusst liebevoll, hilfsbereit und den Glauben an Christus bezeugend und Christus in sich Gestalt werden zu lassen. So wächst ein tiefes Gottvertrauen in ihm heran.  

Die schweren Erfahrungen sind oft nicht erklärbar, auch die Not von geliebten Menschen nicht, doch im Vertrauen auf Gott, den wir durch Jesus kennen, halten wir uns daran, dass „nichts uns trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ So hat es der Apostel Paulus in dem großen Lied des Glaubens am Ende des 8. Kapitels im Römerbrief geschrieben. Ja, das ist leicht gesagt, doch im Ernstfall schwer zu leben. Sehr schwer. „Das ist das Ende“, sagte jemand zu Dietrich Bonhoeffer, als er zum Galgen geführt wurde. Er aber sagte: „Für mich ist es der Anfang.“ Das war Gottvertrauen pur. Seine Hinrichtung war ihm nicht Schicksal, sondern ein Heimweg zu Gott.    

Ich werfe das Wort Schicksal weg wie einen rostigen Eimer ohne Boden. Und ich ergreife das Wort Gottvertrauen wie ein starkes Seil, das mich hält, doch auch wie eine Matte, auf der ich ruhen kann. Ich kenne sehr viele Menschen, junge und ältere, die ihr Leben Gott anvertraut haben, als sie durch das Jesus-Christus-Evangelium entdeckten, dass Gott der Vater Jesu Christi ist und durch ihn auch unser Vater.  

Johannes Hansen