Das Leben als Geschenk.
Kürzlich entdeckte ich in der Zeitung ein Interview mit Jürgen Klopp, dem früheren Mainzer Trainer und nun Trainer beim BVB Dortmund. Es soll Frauen geben, die sich vor dem Fernsehgerät in ihn verliebten, als er für das ZDF mit Johannes B. Kerner und Urs Meier die Spiele der Fußball-Europameisterschaft stets unrasiert und gut gelaunt kommentierte. Man muss den Typ einfach mögen.
Also Klopp, auch Kloppo genannt, sagte im Interview: „Ich bin ein emotionaler Mensch, aber ich habe grundsätzlich einen positiven Ansatz. Ich betrachte mein Leben als Geschenk.“ Jürgen Klopp ist ein „bekennender Christ“ wie man in der Presse lesen kann. Das ist die Basis seines Satzes vom Geschenk des Lebens.
Solch eine Ansage kann Mut machen. Das Leben also nicht als Geldmaschine, als Leistungsapparat, als Triebgesteuerter leben, sondern im vollen Sinne als Geschenk. Keiner von uns hat sich das Leben selbst gegeben. Unsere Mutter empfing und brachte uns auf die Welt als ein Geschenk. Ihr wurde „ein Kind geschenkt.“ Ich gehe davon aus, dass auch der Vater sich freute. Die Zahl der Kinder liebenden Männer nimmt dramatisch zu. Ich sehe oft junge Männer, die einen Kinderwagen schieben und strahlen, wenn man sie anspricht.
Das Leben als Geschenk erkennen, heißt auch den Sinn finden für sein Leben. Ich bin kein Einzelwesen, so sehr ich auch meine eigene Identität habe, doch ich bin auf ein „Du“ hin angelegt. Das ist ein Mensch, den ich liebe, jemand, den ich oft in die Arme nehme. Es sind die Kinder, die uns in einer Ehe geschenkt wurden und dann auch die Enkelkinder. Doch nicht nur die Familie ist der Lebenssinn. Das täte niemand in der Familie auf Dauer gut. Gott stellt den Zirkel in die Mitte unseres Lebens und zieht große Kreise. Unser Leben bekommt einen Horizont.
Unsere Freunde, unsere Kollegen, unsere Schulfreunde, die Leute in einem Verein. Wir engagieren uns sozial, politisch, nachbarschaftlich, einfach menschlich für Menschen um uns herum. Auch in der Kirche, die uns in ihre Gottesdienste und Gruppen einlädt. Da darf jeder kommen, ob Mitglied oder nicht. „Suchet, so werdet ihr finden“ hat Jesus gesagt. Das gilt für den Glauben, für den Sinn unseres Lebens, auch für unseren Weg in die Gemeinde der Christen. Wir sind stets eingeladen, nicht unter Druck gesetzt.
Wer sein Leben als Geschenk von Gott erlebt, kann es sehr bewusst gestalten. Ich bin aus Liebe entstanden, bin ein von Gott geliebter Mensch und so kann ich Liebe weiterreichen. „Wie werde ich ein liebender Mensch?“, fragte der Theologe Helmut Gollwitzer in einem kleinen Buch über das „Hohelied der Liebe“, dem berühmten 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes. Was Jürgen Klopp in der WAZ sagte, ist eine Steilvorlage wie man im Fußballjargon sagt. Keiner soll wie Jürgen Klopp werden, die Orientierung an Jesus steht über allem, doch diesen „positiven Ansatz“ entdecken, das ist eine große Lebenschance. Und das gilt nicht nur für heile und moralisch gut erhaltene Menschen. Wir können es erleben, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm nur ganz überlassen. Er flickt uns nicht nur zusammen, er bringt uns zurecht.
Johannes Hansen 
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