Als Jesus sah, dass sie folgten, fragte er: Was wollt ihr? Sie sagten: Wo wohnst du? Er aber antwortete: Kommt und seht!... »weiter

Buch zum Thema

160 Seiten, gebunden
Format 12,5 x 18,7 cm
Bestell-Nr. 61114
jamarkt@gott.net
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Johannes Hansen
Die zweite Meile

Zurzeit Jesu herrschte die römische Besatzungstruppe im Land. Abgesehen von den eingetriebenen Steuern beanspruchten sie auch noch Besatzerrechte, die Ärger bei den Juden erregten. Jeder römische Soldat konnte von einem Bürger des Landes willkürlich Hilfsdienste fordern. So konnte er verlangen, dass ein beliebiger Straßenpassant sein Gepäck eine Meile für ihn schleppte. Das war für die Bürger ein entwürdigender Akt. Auch wenn es nur eine Meile war, die rechtlich geregelt war. Aber für den Feind die Klamotten schleppen? Durch die Hauptstraße vor den Augen der eigenen Kinder und Nachbarn, das war doch wohl zu viel verlangt.

Doch nun sagt Jesus in der Bergpredigt: „Und wenn dich jemand zwingt, eine Meile mitzugehen, so gehe mit ihm zwei.“ (Matthäus 6, 41) Das ist hart, mag mancher denken, doch es ist typisch für Jesus. Er radikalisiert die Liebe. In diesem Falle die Feindesliebe. Für ihn wird Feindschaft nicht durch Feindschaft überwunden, sondern durch eine gewaltlose Provokation der Liebe. Wie hier beim Schleppen des Tornisters. Die erste Meile ist ein militärisch angeordneter Rechtsvorgang, die zweite Meile ein Handeln in der Art Jesu. »weiterlesen

Michl Graff
Dreck

Umsteigepause auf dem Münchner Hauptbahnhof. Ich hole mir ein Paar Wiener Würstchen. Eine ärmliche Frau verdirbt mir der Appetit. Sie sucht im Mülleimer nach halbgegessenen Semmel und kratzt sich die Senfreste von den Wegwerftellern. Beschämt und erschrocken schenke ich ihr meine Portion, fange das Leuchten in ihren Augen auf und gehe rasch weg. So hungrig war ich noch nie wie diese Frau. Und noch nie war ich genötigt, im Dreck nach Lebensmitteln zu suchen.

Gott im Dreck? Das klingt nach einem modischen Einfall. Im zeitgenössischen Theater stellt man gern Mülleimer auf die Bühne. Es gibt eine Ästhetik des Hässlichen. Erstaunlich, was manche Künstler aus Abfallprodukten zustande bringen. Heinrich Böll meint einmal: »Die Literatur kann offenbar nur zum Gegenstand wählen, was von der Gesellschaft als Abfall, als abfällig erklärt wird.« Also Kriminelle, Schwule, Zigeuner, Juden, Ratten, Mongoloide, verkommene Hinterhöfe, Idioten, Dekadenz. Der feine Geschmack wehrt sich dagegen. Die Moral heult auf. Wir lassen uns unsere gute Stimmung nicht verderben. Unser Kult soll sauber sein. (Du kannst hier andere Worte eintragen: Schule, Staat, Moral, Bildschirm, Kirche usw.) »weiterlesen