Die August-Ausgabe von Atemholen erscheint am Sonntag, 10. August '14.

Als Jesus sah, dass sie folgten, fragte er: Was wollt ihr? Sie sagten: Wo wohnst du? Er aber antwortete: Kommt und seht!... »weiter

Buch zum Thema

160 Seiten, gebunden
Format 12,5 x 18,7 cm
Bestell-Nr. 61114
jamarkt@gott.net
nur 9,99 Euro
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Johannes Hansen

Ich halte dich. - Gott  

Es fing schon sehr früh in unserem Leben an, dass wir gehalten wurden. Erst drehten wir uns auf der ausgebreiteten Decke oder dem Teppich munter wie ein Knäuel Leben. Als wir erste Schritte versuchten, stürzten wir oft und liefen vor Tisch- und Stuhlbeine. Doch begann ganz langsam der "aufrechte Gang" wie ihn der Philosoph Ernst Bloch nannte. Richtig schön wurde es, als wir am Zeigefinger der Mutter oder des Vaters beim Spaziergang dabei sein durften. Immer von oben gehalten, anders ging es noch nicht. 

Als wir dann später den Weg ins volle Leben antraten, wollten wir ganz frei sein. Wir emanzipierten uns von den Autoritäten der Jugend, wurden nach Schule, Lehre, Studium Beamte, Handwerker, Mütter und Väter, vielleicht sogar Unternehmer. Zunächst lebten wir noch in einem Kinderglauben, in dem wir vom „lieben Gott“ sprachen und sogar ein paar Gebete kannten. Doch die angestrebte Freiheit des Denkens und Existierens nahm immer mehr Formen an. „Der da oben“ wurde uns immer fraglicher. Wir waren nicht naiv, sondern gebildet.  »weiterlesen

Michl Graff
Von Wegen

Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.  (Lukas 9,57-58)

Kein Weg fragt dich, ob du ihn gehen willst. Er ist da. Und Spurenelemente erzählen dir von deinen Vorfahren. Gelegentlich am Rande ein Skelett, und du erschrickst. Dann eine Kreuzung, keiner weiß Bescheid. Du bückst dich, um den Weg zu fragen, wie ein Spürhund. Und jahrelang bist du dir ziemlich sicher. Er narrt dich nicht, er ist nur da, doch kann es sein, du hast ihn längst verlassen. Dann langes Irren, Umkehr, Heimweg, und wenn du Glück hast, liegt er vor dir, freundlich.

Bezeichnete Wege wirst du finden, gute und böse, und nicht einmal dies wirst du genau bestimmen können. Du wirst viele von ihnen gehen müssen, mehr als dir lieb sind. Und nachträglich, in Stunden der Orientierung, wirst du nur sagen können: da und da bin ich gegangen, und ich bin nicht der Schöpfer, dass ich sagen könnte, es sei alles sehr gut geworden.

Ich bin ein Sucher
Eines Weges
Der breiter ist
Als ich.
Günter Kunert

Man kann den Weg nicht beschreiben, ohne von den Wandlungen zu erzählen. Also gehen wir, hoffend, dass Du der Weg bist. Deinen Krümmungen und Widersprüchen folgend, bleiben wir auf der Strecke. Das ist noch lange hin.