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Atemholen Nr. 590 - 4. Februar 2018

Du, Gott!

»Ich will von Gott reden wie von einem Menschen, den ich lieb habe«. Der Satz gefällt mir. Du da oben, darf ich so intim zu Dir sein? Ich weiß schon, Du kennst mich durch und durch. Aber Du bist so weit weg, so verhüllt, so dunkel. Du machst mir manchmal Angst. Ich würde Dich gern umarmen, Dich ganz nahe wissen, Dir etwas ins Ohr sagen. Aber wenn ich höre, wie sie dich in den Kirchen verehren, traue ich mich nicht mehr. Du bist so feierlich. Bist Du so? Sollte ich höflichkeitshalber Sie sagen?

Martin Buber nennt Gott »das ewige Du« und entwickelt sein ganzes Denken aus der Ich-Du-Beziehung des Menschen. Und schon beginnen meine Missverständnisse. Denn ich habe gelernt, dass Gott kein Objekt sein darf, kein Gegenstand, kein Mensch, nichts zum Greifen und Begreifen. Mit so einem entrückten Du kann ich aber nichts anfangen. Also pfeife ich auf die Verbote und tu mal so als ob. Hörst Du? Da bin ich und mag Dich. Ich habe verschiedene Bilder von Dir, auch Wunschbilder, deren ich mich nicht schäme, wenn ich ganz allein bin. Siehst Du?

Jeder von uns braucht ein Du, mindestens eines. Und soweit ich sehe, entstehen die meisten seelischen Nöte aus verunglückten Beziehungen heraus. Zu Gott dürfen wir Du sagen, aber wenn wir sonst keinen Menschen lieb haben, bleibt die Gottesliebe hohl. Hörst Du noch zu? Ich rede öfter über Dich als mit Dir. Du solltest Dich nicht so oft verstecken. Wie meinst Du, ich solle Dich im Du finden? In lieben Menschen? Warum nur in den lieben?

Gott als Du, das bedeutet auch Gegenstand. Er war für die Menschen der Bibel nicht nur Wunscherfüllung, sondern auch Gegner. Am Jabbokfluß, bei Hiob, auf Golgota. Sein Widerstand tut gut wie der Händedruck des Freundes. (Von einem scheußlichen Menschen habe ich gehört, dessen Händedruck immer nachgab, als ob man in halbgare Spaghetti greife.) Dass sich Gott entzieht und zeigt, mir hilft und sich verweigert, macht ihn mir so glaubhaft, so lebendig. Ich sage Du. Ich darf danken, scherzen, loben, schimpfen, beten, seufzen, fluchen und wieder betteln. »Ich will mit Gott reden wie mit einem Menschen, den ich lieb habe.«

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