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Atemholen Nr. 713 - 7. Februar 2021

Wenn das Leben weh tut

Es war mitten in einem der abendlichen Krimis. Eigentlich sieht man ja vor allem die laufenden Bilder, die oft hektischen Schnitte, die Dramatik erzeugen sollen; auf den Text hört der Zuschauer eher nur zur puren Information über den Verlauf der Handlung. Diesmal war es anders. Das Drehbuch wurde plötzlich hörbar, ein guter Autor war am Werke gewesen. Und dann kam der eine Satz, den der Betrachter so noch nie gehört hatte. „Das Leben kann schon sehr weh tun.“ Die Formulierung war mir neu, doch die Sache sehr präsent. Nicht dies und das tut weh, sondern das Leben selbst. Ich weiß es von vielen Menschen, die es erlebten oder noch mitten im Schmerz stecken.

Nicht wenige Leser dieser Ausgabe werden schon an Gräbern gestanden und gewiss auch geweint haben. Als Mama starb, oder der Papa. Und wie furchtbar kann es sein, wenn der geliebte Mensch neben uns plötzlich stirbt. Oder ein noch sehr junges Menschenkind. Da tut das Leben sehr, sehr weh. Nun sage niemand, es sei sentimental, darüber zu reden. Flach und oberflächlich ist, das auch nur zu vermuten. Das Sterben ist eine sehr tiefe Erfahrung der Trennung, die nicht rückgängig gemacht werden kann.

Es kann sehr weh tun, wenn Ehen in Not kommen und „zerbrechen“ wie man es nennt. Es kann jedoch auch sehr weh tun, wenn zwei Menschen, die sich einmal sehr liebten, nur noch taub und blind nebeneinander her leben. Das kann tapfer genannt werden, doch auch verzweifelt. Sie halten eben durch wie man sagt. Die Kinder und die Freunde spüren es, auch für sie tut das Leben jetzt sehr weh. Auch der Liebeskummer junger Leute kann echt weh tun. Suizidversuchungen lauern. Schwere Krankheiten können körperlich und seelisch sehr weh tun.

Hier ist nicht der Raum für weitere Aufzählungen, doch eine Frage muss gestellt werden. Nicht um eine befriedigende Antwort für alles zu finden, doch um nach einer Grundlinie der Bewältigung zu fragen. Einsam mit sich allein, wer und was hilft da? Vor allem muss die Not ausgesprochen werden. Vielleicht nicht immer sofort und ausführlich, doch Gespräche können heilen, wenn der Gesprächspartner, die Gesprächspartnerin eine heilende Kraft vermitteln können. Zunächst einfach durch das Zuhören, doch dann auch durch die Mitteilung von Erfahrungen des Glaubens im Leben und schließlich durch Güte und Liebe, die in Worte und Gesten gefasst ist. Es gibt diese Menschen, leider nicht in großer Zahl, doch gewiss an jedem Ort. Pastoren heißen Seelsorger, man bitte auch sie um Gespräche, doch nicht nur sie.

Und weinet mit den Weinenden“, hat der Seelsorger Paulus geschrieben. Man darf davon ausgehen, dass auch er mit Weinenden geweint hat, weil der Schmerz übermächtig war und er nicht zu schnell mit großen Lehrsätzen der Christenheit reagierte. Wem das Leben weh getan hat und noch weh tut, der komme bitte aus seiner düsteren Ecke heraus in eine Atmosphäre der Offenheit und der Heilung. Auch durch gute Worte und Gebete, die einer, eine für uns jetzt spricht. Übrigens gibt es überall im Land die „Telefonseelsorge“, katholisch und evangelisch. Sie müssen dort nicht einmal ihren Namen nennen, doch jemand wird ihnen gut zuhören.

„Weder Tod noch Leben“ können uns von der Liebe Gottes trennen. So lese ich im Brief an die Römer, Kapitel 8, Vers 38. Das ist eine starke Zusage. Auch ein schmerzvolles Leben kann uns nicht trennen von Gottes Liebe. Die Heilung der Wunden kann dauern, doch die Medizin des Evangeliums und des Glaubens kann ihre spürbare Wirkung tun.

Johannes Hansen

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