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Jesus - das Licht der Welt

Johannes 8,12-20

Im Unterschied zu den ersten drei Evangelien zeichnet sich das Johannesevangelium durch die ausführliche Wiedergabe der Reden Jesu aus. In diesen Reden entfaltet Jesus - meist in Konfrontation zu seinen Zuhörern - die Bedeutung seiner ihm von Gott zuteil gewordenen Berufung. Ein besonderes Merkmal der johanneischen Reden Jesu, sind die so genannten „Ich bin-Worte“, in denen Jesus in bildhafter, einprägsamer Weise deutlich macht, warum Gott ihn zum Heil in die Welt gesandt hat. So bezeichnet sich Jesus u. a. als Brot des Lebens (Johannes 6,35), als guten Hirten (Johannes 10,11) und als Weinstock (Johannes 15,5).

Das in unserem Text wiedergegebene „Ich bin-Wort“ (Vers 12) hat Jesus nach der Überlieferung des Johannes bei einem Besuch in Jerusalem anlässlich der Feier des Laubhüttenfestes (Johannes 7,2.14) gesprochen. Das Laubhüttenfest ist das fröhlichste, ausgelassenste Fest der Juden: Sie feiern es in Erinnerung an den wunderbaren Auszug aus Ägypten. Höhepunkt des Festes ist es jedes Mal, wenn für kurze Zeit das nächtliche Jerusalem - und besonders der Tempel - durch Tausende von Fackeln und Öllampen in ungewohntes Licht getaucht wird. Mitten in dieser ausgelassenen Festtagsstimmung tritt Jesus am Tempelplatz auf und ruft den Feiernden zu: „Ich bin das Licht der Weit. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“. Der Satz ist eine einzige Provokation: Mitten in die Freude und den Stolz über das von Menschen selbst geschaffene, fantastische Licht behauptet Jesus, er allein sei das Licht der Welt. Wer ohne ihn lebe, der bleibe in ewiger Finsternis. Verständlich, dass eine solche Aussage nicht ohne Widerspruch bleibt. Die Pharisäer, stolz auf ihre theologischen Erkenntnisse, halten - im Bewusstsein, zur geistlichen Elite in Israel zu gehören - voll dagegen: Was der sagt, ist nicht wahr (Vers 13). So steht wieder einmal Behauptung gegen Behauptung.

Doch was meint Jesus, wenn er sich als das „Licht der Welt“ anbietet? Es ist wohl ein Dreifaches:

1. Im Licht der Wahrheit, die Jesus verkündet, wird Menschen schmerzhaft der Irrtum ihres bisherigen Lebens bewusst – und das tut weh.

2. Im Licht Jesu erkennen Menschen, wozu sie von Gott bestimmt sind. Das Licht sorgt für Klarheit und hilft zur Orientierung.

3. Im Lichte Jesu wissen Menschen sich gehalten und geborgen. Licht verbreitet immer auch Wärme.

Text aus: Klaus Jürgen Diehl, In 99 Tagen durch die Bibel, © Brunnen-Verlag
Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers. Gemälde Kristina Dittert © 2011